Mahnwache gegen Obdachlosigkeit Unerhört vorm Roten Rathaus

Zum siebten Mal machen Wohnungslose mit einer Übernacht-Kundgebung auf ihre Lebensumstände aufmerksam. Unterstützt werden sie von Ton Steine Scherben.
BERLIN taz | Wohnungslose Menschen sind im Stadtbild nicht zu übersehen. Doch sie sind nicht nur Opfer, sondern auch Menschen, die sich für ihre Rechte einsetzen. Dafür steht die siebte Mahnwache gegen Obdachlosigkeit und Zwangsräumungen, die an diesem Montag ab 16 Uhr vor dem Roten Rathaus in Mitte bis Dienstagmittag stattfinden soll.
Dass die Mahnwache auch über Nacht fortgesetzt wird, hat seinen Grund: Schließlich müssen auch obdachlose Menschen im Freien übernachten, und das bei jeder Witterung. „Nachdem ich bei der ersten Mahnwache eine Nacht vor dem Rathaus verbrachte, habe ich so richtig Respekt vor Menschen bekommen, die jede Nacht draußen verbringen müssen“, sagte Nicole Lindner, die seit sieben Jahren die Mahnwache mitorganisiert.
Anfangs wurde sie am letzten Januarwochenende, also mitten im Winter, veranstaltet. Mittlerweile haben sie die Organisator*innen auf das letzte Märzwochenende verlegt, weil dann die Kältehilfe ausläuft, die vielen Menschen im Winter einen gewissen Schutz verschafft.
„Das Programm während der Mahnwache wird von wohnungs- und obdachlosen Menschen gestaltet, die sonst nirgends gehört werden“, sagt Mitorganisator Steffen Doebert. Politiker*innen sind auch eingeladen, aber nur, um zuzuhören. „Sie können sich anhören, was die von Wohnungslosigkeit Betroffenen zu sagen haben“, sagt Lindner.
Musikalische Unterstützung
In Kurzbeiträgen wird darüber informiert, wie Hilfsangebote wie das Nachtcafé für Wohnungslose in der Samaritergemeinde, in den vergangenen Monaten geschlossen wurden. Das Bündnis gegen Zwangsräumungen bekräftigt seine Forderung, dass keine Mieter*innen aus ihren Wohnungen geworfen werden sollten – ein zentraler Grund für Obdachlosigkeit.
Außerdem berichten Bewohner*innen der Habersaathstraße 40–48 darüber, wie ein Abriss der Häuser verhindert werden konnte, weil sie von wohnungslosen Menschen und ihren Unterstützer*innen besetzt wurden.
Zu den zentralen Forderungen der Mahnwache gehört die Beschlagnahme von spekulativem Leerstand, um Platz für wohnungslose Menschen zu schaffen. Auch ein niedrigschwelliger Zugang zum Gesundheitssystem für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, steht im Forderungskatalog.
Begleitet wird die Mahnwache von einem Kulturprogramm, bei dem Paul Geigerzähler, David Hermlin und das antikapitalistische Judelduo Esels Alptraum auftreten sollen. Höhepunkt wird am Montag ab 20 Uhr das Konzert von Ton Scheine Scherben mit zwei Musikern der legendären Band aus den 1970er Jahren sein. Im Anschluss spielt dann Incredible Herrengedeck.
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passiert am 30.03.2025